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29.03.2017

07:11

Temperatur 8,5 C
Luftfeuchte 80 %
Taupunkt 5,3 C
Luftdruck 1024,3 hPa
Windrichtung 246
W-SW
Windstärke 16,3 km/h
Windböen 22,5 km/h
Wind 10m 20,7 km/h
Windchill 2,8 C
Regen/Tag 0,0 l/m

 


Aktuelle Wetterdaten

Wetterstation Aalbäumle 707 m über Normalnull
Mittwoch, 29. Mrz 2017 07:11
Temperatur
8,5 C
Luftdruck
1024,3 hPa
Wind
246
Luftfeuchtigkeit
80 %
Tendenz
+1,1 hPa/6hup down
Windstärke
16,3 km/h
Taupunkt
5,3 C
Regen / 1/h
0,0 l/m
Windböe
22,5 km/h
Windchill
2,8 C
Regen / Tag
0,0 l/m
Wind 10 Min
20,7 km/h
Vorhersage - sonnig -

Telefonabruf Wetterstation 0160-3282349

Aktuelle Wettervorhersage

Wind u. Thermikprognose 27.3.17

Thermik:

entällt

Bodenwind:
Morgens mit 2 bis 4 KT aus südlichen oder variablen Richtungen. Bis Mittag stellt sich ein Wind aus West bis Nordwest mit 5 bis 7 KT ein. Abends wird der Wind bei 1 bis 3 KT wieder variabel oder kommt aus Südwest. In Böen morgens im höheren Gelände Schwabens und des westlichen Oberbayerns örtlich bis 12 KT. Im Tagesverlauf südwestlich einer Linie Würzburg-Salzburg Zunahme auf 10 bis 16 KT, sonst 8 bis 12 KT.

Höhenwind:
2000FT | 250/10KT 09C | 290/10KT 14C | 3000FT | 260/15KT 08C | 290/10KT 11C | 5000FT | 250/10KT 07C | 300/15KT 06C |

 



Wettervorhersage Aalen 28.3.17

Wettervorhersage für heute
Sonnige Zeiten stehen bevor. In Aalen stellt sich sonniges Wetter ein. Dabei werden im Tagesverlauf bis 17 Grad erreicht, nachts kühlt es dann auf 5 Grad ab. Der Wind weht nur schwach aus Nordwest.

Wetterbericht der nächsten Tage

Mittwoch
Freundlicher Frühlingsmix aus Sonne und Wolken. Am Vormittag bestehen bei bedecktem Himmel nur wenige Chancen auf Lichtblicke. Am Nachmittag gibt es sonnige Abschnitte, aber zeitweise auch Wolken, und die Temperaturen klettern am Tage auf 15 Grad. Nachts gehen die Werte dann auf 4 Grad zurück. Der Wind weht schwach aus westlichen Richtungen.

Donnerstag
Schön viel Sonnenschein. In Aalen wird der strahlende Sonnenschein kaum von Wolken gestört. Dabei werden im Tagesverlauf 18 Grad erreicht, nachts kühlt es dann auf 6 Grad ab. Der Wind weht nur schwach aus Südost.

Freitag
Sonnige Zeiten stehen bevor. In Aalen strahlt die Sonne vom wolkenlosen Himmel, und die Temperaturen klettern am Tage auf 20 Grad. Nachts gehen die Werte dann auf 5 Grad zurück. Der Wind weht leicht aus nordöstlichen Richtungen.


Wetterlage und -entwicklung:


Die wetterbestimmende Hochdruckzone, die sich von Island über Deutschland bis zum Schwarzen Meer erstreckt, wird im Tagesverlauf etwas abgebaut. Im Vorfeld eines von Südfrankreich nach Benelux ziehenden Randtrogs hat die Strömung bodennah auf West gedreht und es wird wieder etwas feuchtere Luft herangeführt.

Hochwasser
ww.hvz.baden-wuerttemberg.de
(Hauptserver)

Alpenwetter:
Wetterseite des Deutschen Alpenvereins


Skigebiete: Schwäbische Alb Ostalbskilift
Schneehöhen:Allgäu

 

 

 

Was hat die Kamele in der Wüste Arabiens im Regen stehen lassen?

Datum 27.03.2017

In Arabien spielt das Wetter weiter verrückt! Nachdem sich die Wüsten Arabiens Anfang des Jahres teilweise in eine Schneelandschaft verwandelten, sorgen nun wiederholt kräftige Schauer und Gewitter für außergewöhnlich viel Niederschlag.

Seit Tagen die gleiche Leier! Immer wieder diese Regenfälle! Anstatt die Sonne auf ihrem täglichen Weg über den Himmel zu beobachten, prasselt dieser Tage aus sich hoch auftürmenden Wolken heftiger Starkregen auf die Menschen und Tiere Arabiens nieder. Sturmböen lassen den Regen dabei teilweise waagerecht durch die Luft fliegen und sorgen in den trockenen Gebieten für heftige Sandstürme. Verfeinert wird das ungewöhnlich feuchte und windige Wetter von golfballgroßen Hagelkörnern, welche die Wüste für kurze Zeit mit einem weißen Schleier überdecken, und einem Blitzspektakel am Himmel. Gerade die Wolkenkratzer der Metropolen ziehen die Blitze regelrecht an und dienen als natürliche Blitzableiter.

Doch warum treten diese kräftigen Schauer und Gewitter rund um den Persischen Golf derzeit wiederholt auf?

Verantwortlich dafür ist der sogenannte "Subtropenjet". Dabei handelt es sich um ein schmales, bandartiges Starkwindfeld in der Tropo- oder Stratosphäre, das durch hohe vertikale und horizontale Windgeschwindigkeitsscherungen charakterisiert wird und ein Geschwindigkeitsmaximum oder mehrere -maxima aufweist. Der Subtropen-Jet (STJ, Suptropical Jetstream) befindet sich dabei über dem subtropischen Hochdruckgürtel und ist meist schwach mäandrierend (vgl. http://bit.ly/2n8zq7x).

In den vergangenen Tagen dehnte sich der STJ über der arabischen Halbinsel wiederholt weit nach Süden aus. Auf dessen Nordflanke konnte sich somit ein ausgeprägtes Höhentief (Trog) festsetzen (vgl. Abbildung 1). Gleichzeitig diente das Starkwindband in der Höhe als eine Art Autobahn für kleinräumige Tiefdruckgebiete, die immer wieder über die Wüsten Arabiens (Rub al-Chali und Nefud) und den Persischen Golf hinwegzogen. Auf der Rückseite des Höhentiefs führten entsprechend der Höhenströmung nordwestliche bis westliche Winde feuchte und kühlere Luft aus dem Mittelmeerraum nach Arabien. Vorderseitig strömte dagegen mit südwestlichen Winden aus südlicheren Gefilden sehr heiße Luft in die betrachteten Regionen rund um den Persischen Golf. Südlich des Höhentiefs prallten schließlich die unterschiedlichen Luftmassen aufeinander (vgl. Abbildung 2). Alle Begleitumstände zusammen ergaben schließlich eine explosive Mischung. Durch thermische und dynamische Prozesse kam es wiederholt zu heftigen vertikalen Luftumwälzungen, die linienhaft organisiert waren. Aber nur durch den Feuchteinput können schließlich die hochreichenden Wolkentürme entstehen, die wiederum die kräftigen Regenfälle auslösen. Teilweise fielen innerhalb von 24 Stunden bis zu 80 Liter pro Quadratmeter. Die starken Aufwinde innerhalb der Wolke führten zudem dazu, dass sich große Hagelkörner bildeten.

Die außergewöhnlich hohen Niederschlagsmengen konnten dabei auch gut im sogenannten "Extrem Forecast Index" (EFI) des Europäischen Zentrums für mittelfristige Vorhersage (ECMWF) erkannt werden (vgl. Abbildung 3). Der EFI betrachtet das Spektrum der Modellläufe des Europäischen Modells im Vergleich zum Modellklima. Entsprechend kann der EFI als Signal für zukünftige für die Region untypische Witterungsverhältnisse angesehen werden (vgl. http://bit.ly/2nEquux).

Auch in den nächsten Tagen muss dort weiter mit schauerartigen, teils gewittrigen Niederschlägen gerechnet werden, sodass sich die Wadis weiter füllen können.

Ballonaufstiege (Teil 2)

Datum 26.03.2017

Heute setzten wir das Thema des Tages von gestern über Ballonaufstiege fort und berichten unter anderem über Sinn und Zweck der Aufstiege.

Gestern hatten wir die physikalischen Grundlagen für den Ballonauftrieb besprochen. Heute fragen wir uns unter anderem, warum Ballone nicht beliebig hoch steigen können. Bei einer starren Ballonhülle, also einem konstanten Volumen des Ballongespannes, reduziert sich der Auftrieb dadurch, dass die Luft nach oben zu immer dünner wird. Irgendwann sind Ballonmasse und die von ihm verdrängte Luftmasse gleichgroß. Dann bleibt der Ballon auf konstanter barometrischer Höhe, also auf einer Höhenfläche konstanten Druckes. Messungen in einer konstanten Höhe über NN lassen sich dagegen mit Ballons nicht durchführen. (In ca. 5 km über NN liegt die die Differenz gegenüber der geometrischen Höhe bei +- 250 m.) Einen solchen Ballon braucht man beispielsweise, wenn man Forschungsarbeiten in einer bestimmten (barometrischen) Höhe durchführen möchte. Die üblichen Wetterballone jedoch haben eine flexible Hülle, die sich mit zunehmender Höhe wegen des geringer werdenden äußeren Druckes ausdehnt. Daher könnte so ein Ballon fast beliebig hoch steigen. Das Ballonmaterial muss sich aber infolge seiner Oberflächenvergrößerung auf eine immer größere Fläche verteilen. Irgendwann ist das Material an einer Stelle so dünn, dass der Ballon platzt. (Der derzeitige Rekord für Forschungsballons soll nach Wikipedia bei ca. 49 km liegen und 2002 von der NASA aufgestellt worden sein.) Nach dem Zerknall geht die Nutzlast, also beim Wetterballon die Messgeräte, üblicherweise an einem Fallschirm zu Boden, um nicht als Geschoss irgendwo einzuschlagen. Die Daten gehen bereits beim Aufstieg per Funk direkt an die Empfänger.

Welche Erkenntnisse erhält man durch die Wetterballons? In der Meteorologie werden systematisch mindestens zweimal täglich (12 und 00 UTC, also Weltzeit (MESZ-2 Std.)) Ballons in die Atmosphäre geschickt, um Temperatur, Feuchte und den Druck, jeweils in Abhängigkeit von der Höhe, zu messen. Im Gegensatz zu den Messungen in einer Thermometerhütte sind diese Ballonmessungen noch immer nicht in der notwendigen Genauigkeit verfügbar und die Messsonden werden ständig weiterentwickelt.

Obwohl nur wenige Daten gemessen werden, sind sie sehr nützlich. Man kann beispielsweise die Wolkenhöhe und den Wassergehalt der Atmosphäre berechnen und Vorhersagen über Höchsttemperatur und Niederschlagsart (fest oder flüssig) erstellen. Auch die Wahrscheinlichkeit für Gewitter und deren Intensität lassen sich aus den Daten ableiten. Inzwischen gehen die Messwerte in die Wettervorhersagemodelle ein und helfen bei der Kalibrierung von satellitengestützten Sensoren. Sie haben den Vorteil, die Daten flächendeckend und nicht - wie durch die vom Ballon transportierten Messgeräte - nur punktuell auf der Ballonflugbahn zu erfassen. Dass dies dringend notwendig ist erkennen wir auf der Abbildung, die die Verteilung der Ballonmessungen über die Erde zeigt. Die Atmosphäre über den Wasserflächen, die wie im Falle des Nordatlantiks unsere Wetterküche darstellt, wird von den Ballons kaum durchflogen und vermessen. Wetterschiffe, deren Aufgabe es war, über den Meeren an bestimmten Stellen regelmäßige Ballonaufstiege durchzuführen, sind schon lange Geschichte. Die flächenhafte Messung per Satellit hat aber deren Ausfall überkompensiert.

Ballonaufstiege

Datum 25.03.2017

Zur Vermessung der Atmosphäre muss man die Messgeräte in große Höhen bringen. Wie das funktioniert, das erklärt Ihnen das heutige Thema des Tages.

Die Meteorologie ist die Physik der Atmosphäre. Daher muss man wissen, wie die Atmosphäre aufgebaut ist und infolgedessen Messgeräte für Temperatur, Feuchte und Wind möglichst in die gesamte Atmosphäre und damit auch in große Höhen einbringen. Das Wetter spielt sich im Wesentlichen in einem Bereich ab, der in den Tropen bis etwa 15 km, bei uns etwa 12 km und an den Polen bis etwa 8 km Höhe reicht. Diese Obergrenze, die Tropopause, kann jeder sehen, der in einiger Entfernung die obere Begrenzung einer ausgewachsenen Gewitterwolke betrachtet. Zu Beginn der Atmosphärenforschung war an Flugzeuge noch gar nicht zu denken und auch heute wären bemannte Luftfahrzeuge für systematische Routineuntersuchungen viel zu teuer. Wie die meisten sicher wissen, behilft man sich mit Ballons, die sich nicht einfach "Luftballons", sondern "Wetterballons" nennen und sich auch in Größe und Gewicht deutlich von den Luftballons unterscheiden. Sie wiegen bis zu 1200 g und platzen in Höhen bis etwa 35 km mit einem Durchmesser von bis zu 9 Metern.

Weshalb sollen sie solche Höhen erreichen? Das Wetter spielt sich zwar nur in den tieferen Schichten im Bereich größerer Wasser(dampf)mengen ab, an der Verteilung der Hochs und Tiefs haben aber auch die Ereignisse in den höheren Luftschichten einen Einfluss, schließlich finden sich etwa 10% der Atmosphärenmasse oberhalb des oben erwähnten Höhenbereichs für das Wetter.

Fragt sich nur, wie die Ballons ohne Antrieb in die Luft steigen. Das beruht auf dem "Archimedischen Prinzip". Stellen Sie sich einen Wasserwürfel mit einer Kantenlänge von 10 cm vor. Der wiegt ziemlich genau ein kg und hat das Volumen von einem Liter. Bauen Sie nun einen genau so großen Würfel aus einem anderen Material oder einem Gemisch aus mehreren Materialien (zum Beispiel Metall mit Lufteinschluss). Dieser Würfel verdrängt vollständig untergetaucht genau ein Kilo Wasser. Wiegt dieser Würfel mehr als das Kilogramm Wasser, das er verdrängt, wird er im Wasser durch die Erdanziehung auf den Gewässerboden sinken. Wiegt der Würfel weniger als ein Kilogramm, bekommt er einen Auftrieb, der ihn entgegen der Erdanziehung schwimmen lässt. Genauso verhält es sich mit Ballons. Wenn das Gewicht eines Ballons, seiner Füllung und der eventuellen Nutzlast (z.B. meteorologische Messinstrumente oder die Personen in einem Korb) leichter ist, als die von ihm verdrängte Luft, so hat er einen Auftrieb, der größer ist als die Erdanziehungskraft, und schwebt nach oben. Man nimmt als Füllung Helium oder den billigeren Wasserstoff, der allerdings ein gewisses Gefahrenpotential in sich birgt, wie sich spätestens 1937 beim Absturz des Zeppelins in Lakehurst herausstellte. Bei Heißluftballons wird dagegen kein besonderes Gas eingefüllt, sondern die Luft innerhalb der Ballonhülle erhitzt. Da das Ballongespann dann leichter als die von ihm verdrängte kühlere Luft ist, erfährt er seinen Auftrieb.

Warum Ballone nicht beliebig hoch steigen können bzw. sollen, erfahren sie voraussichtlich morgen im zweiten Teil.

Das Tiefdruckgebiet und seine stürmische Südwestflanke

Datum 24.03.2017

Tiefdruckgebiete gehen nicht nur mit Wolken und Niederschlägen einher, sondern können auch viel Wind im Gepäck haben. Bei rasanten Tiefdruckentwicklungen kann der Wind südwestlich des Tiefdruckkerns besonders hohe Windgeschwindigkeiten erreichen und große Schäden anrichten.

Intensive Tiefdruckgebiete sind während der Herbst- und Winterzeit für die gemäßigten Breiten keine Seltenheit. Wiederholt liefern sich die polaren Luftmassen aus dem Norden mit den subtropisch warmen Luftmassen aus dem Süden einen Kampf um die Vormachtstellung. Dieser Kampf findet entlang der sogenannten "Frontalzone" statt (siehe DWD-Lexikon). Natürlich macht eine kräftige Sturmtiefentwicklung nicht nur das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Luftmassen aus, denn wie so oft in der Meteorologie müssen viele Zahnräder ineinandergreifen, bevor sich in diesem Fall ein gewaltiger Sturm entwickeln kann. Wenn dies jedoch passiert, treten in unterschiedlichen Bereichen eines solchen Sturm- oder Orkantiefs sehr hohe Windgeschwindigkeiten auf. Im Bereich zwischen der zugehörigen Warm- und Kaltfront sind zunächst meist die Berglagen als erste vom Sturm betroffen, bevor sich die hohen Windgeschwindigkeiten besonders entlang der Kaltfront auch bis in tiefe Lagen durchsetzen. Doch im heutigen Thema des Tages soll auf eine weitere Region eingegangen werden, die auf der Nordhalbkugel an der Südwestflanke des Tiefdruckzentrums zu finden ist.

Zum besseren Verständnis der folgenden Erklärung sind dem Thema des Tages zwei modifizierte Wasserdampfbilder des Satelliten METEOSAT beigefügt. Diese Bilder zeigen das Orkantief NIKLAS am Abend des 5. Februar 2017 über den Weiten des Nordatlantiks. Zu diesem Zeitpunkt wies der Orkan einen Kerndruck von unter 940 hPa auf. Zum Vergleich - der mittlere Luftdruck auf Meeresniveau liegt bei 1013 hPa. NIKLAS war ein wahrlich außerordentliches Orkantief! Die Farbskala beider Wasserdampfbilder ist dieselbe und geht von hohen Temperaturen (gelb bis rot) zu tiefen Werten (weiß bis grün). Der Unterschied beider Bilder ist stark vereinfacht gesagt der, dass METEOSAT im linken Bild tiefer in die Troposphäre schaut, während rechts nur die Bereiche der mittleren und oberen Troposphäre betrachtet werden. Beim direkten Vergleich beider Wasserdampfkanäle kann so zum Beispiel verfolgt werden, wie sich eine trockene Luftmasse von höheren Bereichen der Troposphäre in tiefere voran arbeitet. Das wiederum stellt für die Meteorologen bei den Intensitätsvorhersagen von Sturmtiefs eine nützliche Information dar. Es wurde bewusst diese Uhrzeit gewählt, da durch die tiefstehende Sonne und die hervorgerufenen Schatteneffekte ein 3D-Effekt erzielt wird, der die im Folgenden beschriebenen Strömungen besser hervorhebt.

Werden nun Luftmassen betrachtet, die um solch ein mächtiges Tiefdruckgebiet geführt werden, sind mehrere sogenannte "Förderbänder" (engl. "conveyor belts") erkennbar. Rot eingerahmt ist das warme Förderband, in dem feuchte und warme Luftmassen nordwärts geführt werden, dabei aufgleiten und einen immer mächtigeren Wolkenschirm aus Cirren (hohen Eiswolken) bilden. Im Satellit ist dieser durch eine große Fläche mit grüner Farbe zu erkennen. Nördlich vom Tiefdruckgebiet wickelt sich hingegen unterhalb des warmen Förderbands das kalte Förderband (blaue Pfeile) ums Zentrum. Das alles stellt eine sehr starke Vereinfachung dar, da sich z.B. ein Förderband in mehrere Äste aufteilen kann. Zuletzt sei noch erwähnt, dass sehr trockene Luft aus hohen Schichten (obere Troposphäre bis untere Stratosphäre in 300 hPa) angezapft und in das Tiefdruckzentrum geführt wird, dargestellt durch die gelben Pfeile. Diese Einbeziehung trockenerer Luft findet umso intensiver statt, je kräftiger die Tiefdruckentwicklung ist und unterstützt diese sogar noch.

Der Fokus richtet sich nun auf den Südwestbereich des Tiefdruckzentrums, der im rechten Bild durch einen roten Kasten hervorgehoben wurde. Hier bildet sich bei sehr kräftigen Tiefdruckgebieten ein kompaktes Windmaximum aus, wo enorme Windgeschwindigkeiten auftreten können. Zum einen herrscht hier der größte Druckgradient, wobei die Natur bestrebt ist, diesen auszugleichen, was mit entsprechend hohen Windgeschwindigkeiten einhergeht. Zum anderen bewegt sich ein Tief in der Westwindzone meist von West nach Ost. Von daher addiert sich in eben diesem Bereich auch die Zuggeschwindigkeit zum bereits erwähnten Gradientwind. All diese Faktoren und noch einige mehr sorgen für dieses ausgeprägte Windmaximum, das in der Fachliteratur "cold conveyor jet, CCJ" genannt wird.

Wenn Sie nun genau auf das rechte Satellitenbild schauen, erkennen Sie im roten Kasten, dass die Wolken wie Schlieren aussehen. Das ist der Bereich, wo die vorhin beschriebene trockene Luft absinkt, verdunstet und dadurch abkühlt. Da kalte Luft schneller zum Boden sinkt, kommt sie mit noch höherer Geschwindigkeit am Boden an. Dieses Phänomen stellt den "sting jet" dar, der noch größere Windspitzen als der CCJ hervorruft und im Verlauf des Ereignisses in diesen übergeht. Dabei handelt es sich um einen sehr komplexen Vorgang, bei dem noch viele Fragen offen sind und der hier ebenfalls nur stark vereinfacht erläutert werden kann.

Als ein weiteres Beispiel für solch einen ausgeprägten CCJ kann auch Orkantief EGON Mitte Januar 2017 herangezogen werden. Hier sorgte der zugehörige sich von West nach Ost über die Mitte Deutschlands ziehende und allmählich abschwächende CCJ für die verbreitet aufgetretenen schweren Sturmböen, teils gar für Orkanböen (siehe Thema des Tages im Archiv vom 14.01.2017).

Die gute Nachricht aber zum Schluss: Bis in die nächste Woche erwartet uns anstatt stürmischem Westwindwetter ruhiges und mildes und ab Montag für ganz Deutschland dann auch zunehmend sonniges Frühlingswetter.

Weltwettertag

Datum 23.03.2017

Am diesjährigen Welttag der Meteorologie stehen Wolken im Fokus. Sie spielen nicht nur eine zentrale Rolle im Wetter- und Klimageschehen sondern beeindrucken uns Menschen seit jeher auch mit ihren vielfältigen und imposanten Erscheinungsformen.

Nahezu jeder Tag des Jahres ist ein Gedenktag an eine Person, Organisation, Erfindung oder an ein historisches Ereignis. Auch der heutige 23. März lässt eine solche Reminiszenz nicht missen. Denn es ist der internationale Tag der Meteorologie oder etwas salopp ausgedrückt "der Weltwettertag". Er erinnert an die am 23.3.1950 in Kraft getretene Konvention der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), die ihren Sitz in Genf (Schweiz) hat. Deutschland wird in dieser Organisation seit 1954 durch den Deutschen Wetterdienst vertreten.

Ziel der WMO-Konvention war es, mithilfe aktueller Wetterdaten der einzelnen nationalen Wetterdienste ein weltumspannendes Datennetz aufzubauen und damit weltweit verlässlichere Wetterprognosen zu liefern. Gleichzeitig sollte die meteorologische Forschung als globales Projekt vorangetrieben werden. Hintergrund war dabei auch, dass die Daten unabhängig von der jeweiligen "politischen Großwetterlage" erfasst werden sollten, d.h. selbst Kriege konnten bisher den Datenaustausch nicht verhindern.

Die WMO wählt jedes Jahr zum Welttag der Meteorologie ein spezielles Thema. In diesem Jahr lautet das Motto "understanding clouds" (englisch für "Wolken verstehen"). Was erst einmal simpel klingt, stellt sich als ambitioniertes Ziel heraus, denn Wolken haben eine enorme Bedeutung für das lokale Wetter, das globale Klima und den gesamten Wasserkreislauf. Viele Forschungsgruppen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit beschäftigen sich mit den mal federleichten, mal gewitterschweren Gebilden am Himmel. Bis heute sind sie immer noch die große Unbekannte im Klimawandel und man sucht nach Antworten auf die Fragen: Wie beeinflussen Wolken das Klima? Und wie beeinflusst das Klima die Wolkenbildung?

Die UN-Organisation nutzt den diesjährigen Weltwettertag auch dazu, eine neue Ausgabe des internationalen Wolkenatlas zu veröffentlichen. Darin sind nicht nur hunderte unterschiedliche Wolken abgebildet (von denen einige sogar erst vor kurzem klassifiziert wurden), sondern auch meteorologische Phänomene wie Regenbogen oder Halos. Zum ersten Mal ist der Wolkenatlas auch online verfügbar (wmo-cloudatlas.org).

Der Welttag der Meteorologie will in diesem Jahr mit seinem Fokus auf Wolken auch die Schönheit der Wolken feiern und daran erinnern, wie Maler, Komponisten, Poeten, Fotografen und Regisseure sich im Laufe der Jahrhunderte von der Ästhetik der Wolken inspirieren ließen.

Schauen Sie doch auch öfter mal nach oben und beobachten Sie die beeindruckende, vergängliche Schönheit der Himmelsgebilde. Aber Vorsicht: Wenn Sie vor lauter Begeisterung und Faszination die Zeit vergessen und plötzlich eine dunkle Wolkenfront heranzieht, könnten Sie schnell aus allen Wolken fallen!

Turbulentes Wetter im westlichen Mittelmeerraum

Datum 22.03.2017

In Deutschland sorgt ein Hochdruckgebiet in den nächsten Tagen für eine Wetterberuhigung und weitgehend freundliches Wetter. Dem Südwesten Europas bringt dagegen ein Tief teils kräftige und ergiebige Niederschläge und mitunter stürmischen Wind.

In den ersten Tagen des astronomischen Frühlings gestaltete sich das Wetter in Deutschland unter Tiefdruckeinfluss eher trüb, teils regnerisch und mitunter windig. Das mag dem ein oder anderen wenig frühlingshaft vorkommen.

Wer stattdessen mehr Sonnenschein und höhere Temperaturen suchte, der wurde im Süden Europas fündig. Dort sorgte Hochdruckeinfluss für überwiegend sonniges und trockenes Wetter und das bei Temperaturen unmittelbar am Meer zwischen 15 und 20 Grad. Für diejenigen, die derzeit die Frühlingssonne im westlichen Mittelmeerraum genießen, werden die Wetteraussichten aber für die nächsten Tage ebenfalls nicht so erfreulich sein: Es stehen nämlich regenreiche und mitunter stürmische Tage bevor.

Den Wetterumschwung bringt dort zunächst das Tiefdruckgebiet GREGOR. Es wird sich am heutigen Mittwoch von einem umfangreichen Tiefkomplex, der nahezu den ganzen Norden Europas überdeckt, abspalten und schließlich über Westeuropa und die Biskaya südwärts ziehen und am Wochenende nahezu ortsfest vor Portugal verbleiben. Gleichzeitig bildet sich über dem Nordwesten Afrikas ein weiteres Tief, das sich am Freitag unter Intensivierung in das westliche Mittelmeer verlagert. Dort nistet es sich in den folgenden Tagen ein und sorgt für unbeständiges Wetter mit wiederholten und teils kräftigen Niederschlägen.

Dabei sind bereits heute und am morgigen Donnerstag erste und teils kräftige Regenfälle zu erwarten. Am ergiebigsten fällt der Regen aber voraussichtlich am Freitag und Samstag aus. Dann können insbesondere von den Pyrenäen bis zu den französischen und italienischen Westalpen (Regionen Ligurien, Piemont, Provence-Alpes-Côte d' Azur, Languedoc-Roussillon und Midi-Pyrenees), im spanischen Katalonien und auf den Balearen gebietsweise um 40, stellenweise sogar um 100 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden fallen, teilweise sind diese Regenmengen auch in kürzerer Zeit möglich. Auch an der algerischen Küste kann es stellenweise kräftigen Starkregen geben. Akkumuliert sind in den genannten Regionen von Donnerstag bis Sonntag zwischen 60 und 90, örtlich bis 150 Liter pro Quadratmeter möglich.

Das Mittelmeertief bringt aber nicht nur viel Niederschlag sondern auch eine Windzunahme mit sich. So muss am Freitag und Samstag im westlichen Mittelmeerraum mit starken bis stürmischen Böen der Stärke Bft 7 bis 8, in einigen Küstenregionen aber auch vereinzelt mit Sturmböen Bft 9 gerechnet werden.

Im Laufe des Sonntags wird das Tief voraussichtlich ostwärts abziehen und dann auch im zentralen und östlichen Mittelmeerraum für Niederschläge sorgen. Schon rasch folgen aber weitere Tiefdruckgebiete nach, sodass der Tiefdruckeinfluss im gesamten Mittelmeerraum erhalten bleibt und somit auch im Südwesten Europas mit weiteren Regenfällen zu rechnen ist.

Bei diesen Aussichten wenden wir uns doch lieber wieder dem Wetter in Deutschland zu. Nach dem jetzigen regnerischen und wolkenreichen Witterungsabschnitt entsteht über Großbritannien und der Nordsee ein neues Hoch mit dem Namen LUDWIGA, das uns vor allem am Freitag und Samstag überwiegend freundliches Wetter bringt. Wenn auch das Mittelmeertief weit weg ist, bleibt es doch nicht ganz ohne Einfluss auf Mitteleuropa. In "Zusammenarbeit" mit dem Hoch sorgt es dafür, dass Ostwind aufkommt und der bringt auch in der zweiten Märzhälfte meist noch keine Warmluft. So werden die Temperaturen trotz Sonne nur zögerlich ansteigen. Am Freitag und Samstag sind meist Höchstwerte zwischen 11 und 15 Grad zu erwarten, nur im Südwesten sind immerhin bis zu 18 Grad möglich. In den Frühstunden gibt es aber vor allem im Osten sogar wieder leichten Frost.

Das doppelte Flottchen

Datum 21.03.2017

Dopplerradare werden in der Meteorologie auch zum Erkennen rotierender Wolken verwendet. Mit ihrer Funktion beschäftigt sich heute das Thema des Tages.

Heute soll der Blick zurückgehen. Nicht allzu weit, nur knapp zwei Wochen, genauer gesagt auf den 9.3.! Sie erinnern sich vielleicht, an diesem Tag fegte ein Tornado durch den bayerischen Ort Kürnach. Und anhand der aktuellen, abgesehen vom Wind recht ruhigen Wetterlage, kann man gut ein Hilfsmittel der Meteorologen bei der Erkennung von rotierenden Wolken erklären: das Dopplerradar.

Beim Radar gilt grundsätzlich, dass elektromagnetische Wellen (mit einer festen Frequenz und Wellenlänge) ausgesendet werden. Werden diese Wellen durch ein Objekt (z. B. Regentropfen, Flugzeug, Windkraftanlagen o. ä.) zurückgeworfen, fängt das Radar sie wieder auf und kann aus der Laufzeit der Welle Informationen über den Ort und die Beschaffenheit des Objekts ableiten.

Die Funktion des Dopplerradars basiert nun auf der Tatsache, dass die Frequenz des Radarstrahls verändert wird, je nachdem, ob sich ein Objekt auf den Standort des Radars zu- oder von ihm wegbewegt. Das klingt einfach - ist aber dummerweise nicht so ganz richtig. Denn entscheidend ist, dass das betrachtete Objekt eine GeschwindigkeitsKOMPONENTE zum Radarstandort hin oder eben eine vom Radarstandort weg hat. Das Stichwort lautet "Vektorzerlegung der Geschwindigkeit", und bevor die weniger Physik-Affinen hier aufhören zu lesen, soll die zugehörige Grafik ins Spiel gebracht werden.

Zu sehen ist das Bild des Dopplerradars in Prötzel, dem DWD-Radarstandort bei Berlin, von heute früh (21.03., 7:17 Uhr). Die aktuell über Deutschland liegende Kaltfront verlagert sich zwar allmählich nach Süden, die Wolken - und, sehr wichtig, die mit den Wolken mitgeführten Tropfen, die den Radarstrahl zurückwerfen - ziehen aber nach Ost-Nordost, also in Windrichtung. Die erwähnte Vektorzerlegung ist am Beispiel der dünnen Windpfeile dargestellt. Man kann erkennen, dass der Wind in den grün eingefärbten Bereichen immer eine Komponente hin zum Radarstandort hat, in den rot eingefärbten Bereichen aber eine Komponente weg vom Radarstandort (dies sind jeweils die gestrichelten Pfeile). Der Profi spricht von der "radialen Komponente" des Windes. Entlang der gelben "Nulllinie" hat der Wind genau keine(!) Komponente vom Radarstandort weg oder zum Radarstandort hin.

Diesem sehr klaren Muster am heutigen Tag steht der kleinräumige Wechsel von Rot zu Grün im kleinen Bild (mit dem roten Kreis markiert) gegenüber. Dieses stammt vom 09.03. und zeigt die Dopplerradar-Struktur des oben angesprochenen Kürnach-Tornados. Mit dem erworbenen Wissen ist klar, dass sich dort auf engem Raum die Windrichtung gravierend ändert. Das Muster könnte man salopp als "Hin-und-Weg-Muster" bezeichnen (was in dem Fall weniger geplante Urlaubsreisen, als mehr die Gefühlswelt einiger KollegInnen beschreibt). Da die Windgeschwindigkeiten obendrein sehr hoch sind, könnte man das rot-grüne Pärchen einer solchen Radarstruktur auch als "doppeltes Flottchen" bezeichnen.

Wichtig ist aber folgender Hinweis: Man sieht nicht den Tornado selbst. Tornados in Deutschland sind in der Regel zu kleinräumig, um vom Radar als separate Struktur erkannt zu werden. Es ist vielmehr die über dem Tornado rotierende Wolke, die sich mit dem deutlichen Farbwechsel zu erkennen gibt. Insofern sind die Muster im Dopplerradar ein Hinweis auf, aber kein Beweis für einen Tornado. Und: Da man den Fokus auf die Windrichtung legt, verzichtet man auf andere Radarinformationen, beispielsweise auf die Stärke der Reflektivität und damit z. B. die oft bei kräftigen Gewitterzellen erkennbaren Bogen- oder Hakenechos.

Frühling mal ganz subjektiv betrachtet

Datum 20.03.2017

Meteorologisch, phänologisch, astronomisch ... es gibt viele Definitionen des Frühlingsbeginns. Doch wann bezeichnet man das Wetter als "frühlingshaft"?

Es wird viel über den Frühling erzählt und geschrieben in diesen Tagen. Kein Wunder, besteht doch gleich mehrfach die Möglichkeit, dessen Beginn zu "feiern". Während der meteorologische Frühlingsbeginn bereits am 1. März stattfand, gesellt sich nun vielerorts mit Beginn der Forsythien-Blüte der phänologische "Erstfrühling" dazu. Mit dem heutigen Montag, um genau zu sein um 11:29 Uhr, startet der Frühling nun auch astronomisch bzw. kalendarisch durch (wir berichteten gestern an dieser Stelle: http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2017/3/19.html).

Doch sind wir doch mal ehrlich, letztendlich verbindet jeder von uns mit Frühling ein ganz bestimmtes "Gefühl", das mitunter ganz wesentlich in Verbindung mit einer bestimmten Witterung stehen kann. Wie immer beim Wetter ist dessen Bewertung aber rein subjektiv. So stellt sich wohl auch jeder etwas anderes unter frühlingshaftem Wetter vor. Den einen erschleichen "Frühlingsgefühle" erst bei "Vollgasfrühlingswetter" mit purem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 20 Grad, bei dem man nicht nur die Jacke an den Haken hängt, sondern fast schon an die Freibadsaison denken könnte. Viele geben sich sicherlich aber auch mit (viel) weniger zufrieden und tragen damit der Tatsache Rechnung, dass das "berüchtigte", wechselhafte Aprilwetter seit jeher eine prägende Facette des mitteleuropäischen Frühlingswetters darstellt.

Auch wir (Medien-)Meteorologen müssen zwangsläufig der Frage nachgehen, ob man die Wetteraussichten nun als "frühlingshaft" verkaufen kann oder doch lieber nicht, auch weil man das - verständlicherweise - von Medienseite verlangt. Dies kann sich mitunter als recht undankbare Aufgabe herausstellen. Was nicht verwunderlich ist, denn es existiert z. B. keine gängige, objektive Definition eines "Frühlingstages", also eines Pendants zum Sommertag mit Temperaturen von mindestens 25 Grad, womit wir wieder knallhart auf die Ebene der subjektiven Wahrnehmung zurückgeholt werden.

Vollgasfrühlingswetter, Hochglanzfrühlingswetter oder wie auch immer man das pure, störungsfreie und warme Frühlingswetter bezeichnen möchte, bleibt in den kommenden Tagen aus - zumindest in Deutschland. Es geht bis Ende der Woche wechselhaft weiter, wobei die Niederschlagsneigung ab Wochenmitte von Norden her abnimmt und sich die Sonne dann öfter mal zeigen kann. Dabei gehen die Temperaturen mit Durchzug einer Kaltfront zum Mittwoch allerdings vorübergehend etwas zurück, nachts droht gebietsweise Boden- und Luftfrost. Tagsüber bleibt es bei überwiegend zweistelligen Temperaturmaxima aber verhältnismäßig mild. Das reicht Ihnen nicht? Dann ab ans Mittelmeer! Vor allem im östlichen Mittelmeerraum läuft der Frühling zur Höchstform auf. Im Wochenverlauf stellt sich dort sonniges und mit Temperaturen vielfach zwischen 20 und 25 Grad auch sehr warmes Wetter ein.

Doch egal, ob Sonne und Wärme oder Regen, Schnee und Frost - zumindest die Frühlingsgefühle müssen keine Frage des Wetters sein.

Frühling im Kalender

Datum 19.03.2017

Der meteorologische Frühling begann bekanntlich am 1. März und mit Beginn der Forsythien-Blüte gesellte sich vielerorts in Mitteleuropa bereits der phänologische Erstfrühling dazu. Morgen startet nun auch der kalendarische Frühling.

Am morgigen Montag, den 20. März 2017, um 11:29 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ), überquert die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn durch den "Tierkreis" (wissenschaftlich "Ekliptik" genannt) den Himmelsäquator in nördlicher Richtung. Auf der Nordhalbkugel markiert dies den astronomischen oder kalendarischen Frühlingsbeginn, auf der Südhemisphäre beginnt nun der Herbst. Die Sonne steht am 20. März mittags erstmals in diesem Jahr über dem Äquator im Zenit, und zwar bei 22,5° östlicher Länge, also über dem Kongo-Becken in Zentralafrika. Sie befindet sich um 11:29 Uhr MEZ an einem der beiden Schnittpunkte zwischen Ekliptik und Himmelsäquator, dem "Frühlingspunkt".

Der Frühlingspunkt wird auch "Widderpunkt" genannt, denn bei der Festlegung und Aufteilung des Tierkreises in zwölf Winkelabschnitte zu jeweils 30°, das war im 5. Jahrhundert v. Chr., lag er im Sternbild Widder (lat. Aries). Heutzutage allerdings stimmen die Tierkreiszeichen nicht mehr mit den gleichnamigen Sternbildern überein und der Frühlingspunkt befindet sich im Sternbild der Fische (lat. Pisces). Ursache für die "Wanderung des Frühlingspunktes" ist die "Präzession der Erde", eine durch äußere (himmelmechanische) Kräfte hervorgerufene Lageveränderung ihrer Rotationsachse. Dieser "Kreiseleffekt" bewirkt ein Zurückweichen des Frühlingspunktes von Ost nach West um ca. 50 Winkelsekunden pro Jahr, was seit der Antike einer Drehung im Uhrzeigersinn von gut 30 Winkelgraden entspricht.

Am Frühlingsanfang geht die Sonne näherungsweise überall auf der Erde im Osten um 06:00 Uhr wahrer Ortszeit (!) auf und im Westen um 18:00 Uhr unter. Betrachtet man jedoch die Auf- und Untergangszeiten der Sonne für einen konkreten Ort, z.B. im Internet bei www.sonnenverlauf.de oder in guten Kalenderwerken, so stellt man fest, dass der lichte Tag morgen schon etwas länger als die Nacht ist. Woran liegt das?

Zunächst werden hier zwei verschiedene "Zeitgrößen", der Zeitpunkt des Frühlingsbeginns mit der Zeitspanne des Ereignistages bzw. der Nacht in einen Zusammenhang gebracht. Weitere himmelsmechanische Tatsachen, deren Erörterung an dieser Stelle zu weit führte, bewirken ein Abweichen von geometrischen Idealformen. Außerdem wird zur Definition des Frühlingsbeginns der Mittelpunkt der Sonne verwendet, beim Sonnenauf- und Untergang über dem Horizont aber zählt die Sonnenoberkante. Die Brechung des Sonnenlichtes an den unteren Atmosphärenschichten, die eine scheinbare Anhebung der Sonnenscheibe bewirkt, verstärkt diesen Effekt noch. So fand die eigentliche Tagundnachtgleiche (lat. Äquinoktium) in diesem Jahr bereits am 17. oder 18. März statt!

Unter http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2017/03/19.html finden Sie Grafiken zur Erläuterung der himmelsmechanischen Zusammenhänge. In der sphärischen Astronomie abstrahiert man von den tatsächlichen Gegebenheiten derart, dass man die Himmelskugel als Sphäre mit beliebig großem oder unendlichem Radius annimmt. So wie ein beliebiger Ort auf der Erde durch zwei Winkel, nämlich seine geographischen Koordinaten Länge und Breite, genau angegeben werden kann, ist dies auch für Positionen auf der scheinbaren Himmelskugel möglich. Alle Distanzen werden so als Winkel betrachtet und in Grad oder Bogenmaß gemessen, mathematische Grundlage ist die sphärische Trigonometrie. Dabei ist es egal, ob sich die Erde um die Sonne dreht oder umgekehrt, wichtig sind nur die Relativbewegungen zwischen Zentralgestirn und Planet.

Das obere Bild ist eine vereinfachte "geozentrische" Darstellung von Ekliptik und Himmelsäquator, die um ca. 23°27´ gegeneinander geneigt sind ("Schiefe der Ekliptik"). Die Schnittpunkte (Frühlings- und Herbstpunkt) stehen orthogonal zu der zum Himmelsnordpol gerichteten Rotationsachse der Erde. Darunter sieht man eine vereinfachte "heliozentrische" Darstellung der Bahn der Erde bei ihrer "Revolution" genannten, entgegen dem Uhrzeigersinn gerichteten Bewegung um die Sonne im Verlaufe eines Jahres. Die daraus für die Erdoberfläche resultierenden Beleuchtungsverhältnisse bestimmen letztendlich die Jahreszeiten.

Das "O-bis-O" für Winterreifen

Datum 16.03.2017

Das frühlingshaft sonnige und warme Wetter bringt Autos und Motorräder zunehmend mit Sommerreifen auf die Straße. Doch Vorsicht - gerade nachts und am Morgen geht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Straßenhaftung verloren!

Jedes Jahr stellen sich die Autofahrer die Frage, von wann bis wann sie Winterreifen aufziehen sollten. Viele Versicherungen und Automobilclubs verweisen dabei wiederholt auf die sogenannte "O-bis-O-Regel". Demnach sollten die Autofahrer von Oktober bis Ostern wintertaugliche Reifen am Auto montiert haben. Jedoch müssen bei der Wahl der Reifen zusätzlich auch die regional unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse berücksichtigt werden. So kann man z.B. klimatologisch das Rheinland nicht mit dem Voralpenland vergleichen.

Wie sinnvoll die richtige Reifenwahl ist, zeigen nicht zuletzt die aktuellen Wetterverhältnisse. Viele Fahrzeughalter nutzten die vergangene frühlingshafte Woche mit viel Sonnenschein und relativ warmen Temperaturen für einen Reifentausch auf die Sommerpneus. Doch nachts sanken die Temperaturen bei Aufklaren noch oft in den Frostbereich. Bei derartigen Temperaturen verlieren Sommerreifen aber deutlich an Haftung. Zudem gelangt mit der Umstellung der Wetterlage zum Wochenende vorübergehend wieder kühlere und auch feuchtere Luft polaren Ursprungs nach Deutschland. Damit verbunden treten wiederholt schauerartig verstärkte, teils länger anhaltende Niederschläge auf, die am Samstag und in der Nacht zum Sonntag oberhalb von 600 bis 900 m als Schnee fallen. In den ostdeutschen Mittelgebirgsregionen sowie bei kräftigen Schauern und Gewittern in der Nordosthälfte des Landes kann die weiße Pracht zeitweise auch darunter beobachtet werden und somit vorübergehend für winterliche Straßenverhältnisse sorgen.

Sollten bei evtl. Schnee- oder Glätteunfällen Autos mit Sommerreifen beteiligt sein, so setzen die Autofahrer neben ihrem Leben teilweise auch ihren Versicherungsschutz auf's Spiel. Die Kaskoversicherung kann mit dem Verweis auf grob fahrlässiges Verhalten einen Teil der Leistung verweigern. Und die Kfz-Haftpflichtversicherung kann den Fahrer in Mithaftung nehmen, wenn ein Unfall auf falsche Bereifung zurückzuführen ist.

Doch was macht die Winterreifen aus?

"Autoreifen sind das Bindeglied zwischen Fahrzeug und Fahrbahn. Sie beeinflussen maßgeblich das Fahrverhalten eines Fahrzeugs. Reifen werden insbesondere auf die Beschaffenheit des Untergrundes, die Temperatur und die Belastung ausgelegt. In Mitteleuropa fahren Autos meist auf asphaltierten Straßen mit einer Oberflächentemperatur zwischen -15 °C und +60 °C. "Sommer"-Gummimischungen verhärten bereits bei niedrigen Plus-Graden, womit sich die Haftung auf der Straße spürbar reduzieren könne. Winter-Typen bleiben weich und verfügen zudem über ein spezielles Lamellen-Profil, das auf Schnee und Eis besonders gut greife - also bei Witterungsbedingungen, die überall in Deutschland und auch durchaus schon um den Gefrierpunkt herum anzutreffen seien", erklärte der ADAC.

Somit ist in der kommenden Nacht vor allem in der Südhälfte des Landes bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wieder Vorsicht geboten. Die Zeit der Winterreifen ist also noch nicht vorbei. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass bis tief in den April hinein immer wieder Kälteeinbrüche mit kurzfristigem Schneefall bis ins Flachland auftreten können. Bei solchen Wetterverhältnissen muss an die Vernunft der Autofahrer appelliert werden. Auf Sommerbereifung umgerüstete Wagen sollten bei winterlichen Bedingungen vielleicht lieber in der Garage bleiben.

"Stella" - der stärkste Blizzard seit Jahren an der Ostküste

Datum 14.03.2017

Während bei uns der Winter schon weit weg ist und eher frühlingshaftes Hochdruckwetter vorherrscht, erwartet die Nordostküste der USA den stärksten Blizzard seit Jahren.

Er bekam den Namen "Stella", was im Griechischen "stark wie eine Säule" bedeutet. Dies ist in diesem Fall wirklich ein passender Name für das kräftige Sturmtief, das sich derzeit an der Ostküste der USA formiert und dort zum stärksten Blizzard seit Jahren entwickelt. Dabei handelt es sich bei "Stella" um einen klassischen "Nor'easter". Als Nor'easter wird ein Sturmtief bezeichnet, das sich vor der Ostküste der USA verstärkt und in nordöstliche Richtung entlang der Küste zieht. Meist liegt das Tiefzentrum über dem offenen Meer. Die Küstenregionen werden jedoch noch vom Nordoststurm voll erfasst. Daher leitet sich der Name "Nor'ester" ab. Nor'easter sind im Winterhalbjahr keineswegs selten. Häufiger treten die stärksten von ihnen im März auf, wenn sich die Temperaturgegensätze zuspitzen. Sie sind dafür bekannt, dass sie auf ihrer Rückseite arktische Luftmassen heranführen. So sind einige von ihnen für die stärksten Schneestürme (Blizzards) in den USA und in Kanada verantwortlich.

Für Meteorologen ist die Vorhersage eines solchen Sturms häufig ein wahrer Albtraum. Da auf der Ostseite sehr feuchte und warme Golfluft nach Norden geführt wird und diese auf arktische Kaltluft trifft, gibt es meist kräftige Niederschläge, die, je nachdem wo man sich befindet, als Schnee, Regen und gefrierender Regen anzutreffen sind. Da die Grenze dieser beiden Luftmassen oft sehr scharf ist, treten diese Niederschlagsphasen häufig sehr dicht nebeneinander auf. Wo diese Grenze verläuft, hängt entscheidend von der Zugbahn des Tiefs ab, die sich in vielen Fällen nur schwer prognostizieren lässt.

"Stella" hat sich am Montag an der Golfküste zunächst als schwaches Tief gebildet und zog entlang der Küste nach Norden. Heute früh unserer Zeit lag das Zentrum etwa vor der Küste North Carolinas auf Höhe der Outer Banks. In den nächsten Stunden zieht das Tief unter Verstärkung nord-nordostwärts Richtung Maine. "Stella" durchläuft dabei eine rapide Tiefentwicklung. Das heißt der Druckfall im Tiefkern beträgt mehr als 24 hPa in 24 Stunden. In der Meteorologie spricht man dann auch von einer "Bombogenese" oder einer "meteorologischen Bombe".

Die Vorhersagen der weiteren Entwicklung von "Stella" sind noch unsicher. Dennoch scheint die Zugbahn des Tiefs so weit westlich zu verlaufen, dass die großen Städte wie Boston oder New York hauptsächlich in der arktischen Kaltluft liegen und ein Großteil des Niederschlags dort als Schnee fällt. Die Schneemengen lassen sich dabei noch nicht genau prognostizieren. New York zum Beispiel könnte 20 bis 40 cm Schnee erhalten. Einige Vorhersagen ergeben sogar Neuschneemengen von bis zu einem halben Meter. In Boston werden nach derzeitigem Stand 30 - 50 cm erwartet. Lokal können dort sogar über 60 cm Schnee fallen. Dazu gibt es teils schwere Sturmböen, die an der Küste bis zu 90 km/h, in exponierten Küstenabschnitten auch über 100 km/h erreichen können. Der National Weather Service hat daher bereits eine Blizzardwarnung für große Teile vom östlichen Pennsylvania bis zum südlichen New England herausgegeben, womit viele große Städte an der Ostküste betroffen sind. Noch dazu wird an der Küste eine Sturmflut erwartet, die aber durch die rasche Verlagerung des Sturmtiefs voraussichtlich nicht allzu heftig ausfallen sollte.

Auch wenn die Vorhersagen noch unsicher sind, "Stella" hat durchaus das Potential unter die stärksten Blizzards im Nordosten Amerikas in die Geschichte einzugehen.

Gut gerüstet für die Sommersaison

Datum 13.03.2017

Es ist Frühling und die Sonne steht allmählich wieder höher am Himmel, sodass die Atmosphäre auch in unseren Breiten höheres energetisches Potential erfährt. Bereits vergangene Woche konnten einzelne sommerlich anmutende Gewitter beobachtet werden. Grund genug, um sich wieder etwas genauer mit dem Warnmanagement für die bevorstehende sommerliche Saison zu befassen.

In den letzten Wochen zeigte sich unsere Warnkarte (siehe www.dwd.de oder in der WarnWetter-App), immer wieder in den buntesten Farben. Häufig konnte man gelbe und ockerfarbene, vereinzelt auch rote Gebiete ausmachen und manch einer wird sich gefragt haben, wieso beim Deutschen Wetterdienst wieder der Farbeimer ausgeleert wurde. Dabei wurden in den eingefärbten und damit bewarnten Regionen meist Warnschwellen winterlicher Parameter wie Frost, Glätte oder Schneefall, aber auch von Wind überschritten. Vergangene Woche kündigten allerdings einzelne kräftige Gewitter die bevorstehende konvektive Saison an. Entsprechend lohnt sich bereits jetzt schon ein Blick auf das sommerliche Warnmanagement, um für die Gewittersaison gut gerüstet zu sein.

Herrscht "ruhiges" Wetter vor, erscheint die Warnkarte seit der Einführung des neuen Webauftritts des DWD in grün, wie man aktuell (Stand: 13.03.17, 10 Uhr) auf der Warnkarte sehen kann. Es liegen also keine Wetterwarnungen vor. Werden Warnungen vor Wettergefahren erforderlich, bedient sich der Deutsche Wetterdienst eines 4-stufigen Warnsystems:

Stufe 1 erscheint auf der Warnkarte als "gelbe Wetterwarnung". Hier wird vor Wetterentwicklungen gewarnt, die z.B. Gefährdungen für sensible Infrastrukturen (Windböen) oder Behinderungen im Straßenverkehr (Nebel) zur Folge haben. Dann muss in der eingefärbten Region beispielsweise im Nebel mit Sichtweiten unter 150 m oder beim Wind mit Böen zwischen 50 und 61 km/h (Beaufort 7, abgekürzt Bft 7) gerechnet werden. Auch Warnungen vor Gewitter können "gelb" sein. Diese indizieren dann die Gefahr vor elektrischen Entladungen mit oder ohne Böen bis maximal 61 km/h.

Die Stufe 2 beschreibt ockerfarbene Warnungen vor "markantem Wetter". Dies können z.B. Starkregen (15-25 l/qm in einer Stunde bzw. 20-35 l/qm in 6 Stunden), Sturmböen (62-88 km/h, Bft 8-9) oder sogar schwere Sturmböen (89-102 km/h, Bft 10) sein. Auch markante Gewitter treten dann mit Begleiterscheinungen (schwere) Sturmböen bzw. Starkregen bzw. kleinkörnigem Hagel (Durchmesser bis etwa 1,5 cm) auf. Dabei müssen die Schwellenwerte der drei Begleiterscheinungen nicht alle überschritten werden, es reicht die Erfüllung von nur einem markanten Kriterium. Nicht vergessen werden darf natürlich auch der Dauerregen, der sich je nach Andauer und Intensität des Regens ergibt: 25-40 l/qm in 12 h, 30-50 l/qm in 24 h, 40-60 l/qm in 48 h oder 60-90 l/qm in 72 h.

Ist die erwartete Wetterentwicklung als "sehr gefährlich" einzustufen und verbreitet mit Schäden zu rechnen, kommt die Farbe "Rot" (Stufe 3) auf der Warnkarte ins Spiel. In den bewarnten Regionen muss dann mit unwetterartigen Wetterentwicklungen gerechnet werden. Diese umfassen orkanartige Böen oder Orkanböen (103-140 km/h, Bft 11-12) oder heftigen Starkregen (25-40 l/qm in 1 h bzw. 35-60 l/qm in 6 h), wobei diese Warnparameter auch als Begleiterscheinungen von Gewittern auftreten können. Dabei kann mit der "roten Karte" (Unwetterwarnung) dann auch vor Hagelkorngrößen mit einem Durchmesser von über 1,5 cm gewarnt werden. Was den Dauerregen anbelangt, so müssen Niederschlagssummen von 40-70 l/qm in 12 h, 50-80 l/qm in 24 h, 60-90 l/qm in 48 h oder 90-120 l/qm in 72 h erreicht werden. Um die Bevölkerung frühzeitig vor einer mit recht hoher Wahrscheinlichkeit bevorstehenden Unwetterlage zu warnen, besteht die Möglichkeit der Herausgabe einer sogenannten "Vorabinformation Unwetter". Hierbei wird jenes Gebiet mit roter Schraffierung markiert, in dem das Unwetterpotenzial vorhergesagt wird. Die eigentliche Unwetterwarnung wird dann vor Eintreten des Unwetterereignisses räumlich und zeitlich enger begrenzt ausgegeben.

Die höchste Warnstufe (Stufe 4) signalisiert "extremes Unwetter" und ist farblich mit "Violett" gekennzeichnet. Dabei sind lebensbedrohliche Situationen sowie große Schäden und Zerstörungen möglich. Bei Gewittern muss dann mit extremen Orkanböen (über 140 km/h) bzw. extrem heftigem Starkregen (mehr als 40 l/qm in 1 h bzw. mehr als 60 l/qm in 6 h) gerechnet werden. Die Hagelkorngrößen stellen bei dieser Stufe kein eigenes Warnkriterium dar, wenngleich natürlich auch bei Gewittern der höchsten Warnkategorie Hagelschlag möglich ist. Werden beim Regen die Schwellenwerte von 70 l/qm in 12 h, 80 l/qm in 24 h, 90 l/qm in 48 h oder 120 l/qm in 72 h überschritten, so wird vor extrem ergiebigem Dauerregen gewarnt.

Es gibt noch zwei weitere Farben auf der Warnkarte. Damit sind allerdings nicht noch extremere Unwetter gemeint, vielmehr handelt es sich dabei um Warnungen vor starker Hitze- bzw. UV-Belastung. Wird an zwei Tagen in Folge eine gefühlte Temperatur von über 32 Grad Celsius und in der Nacht eine nur geringe Abkühlung erwartet, so wird eine Hitzewarnung in "Helllila" ausgegeben. Die UV-Warnung wird in "Pink" in Abhängigkeit von der Region und der für die Jahreszeit typischen UV-Belastung ausgegeben und beruht auf der erwarteten maximalen sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung.

Eine ausführliche Übersicht über das gesamte Warnmanagement des Deutschen Wetterdienstes finden Sie über den "Mehr Informationen"-Button unterhalb der Warnkarte auf www.dwd.de.

Klondike chinook in Montana - wenn der warme Wind eisig weht

Datum 12.03.2017

Weltweit gibt es unzählige Windsysteme, die lokal oder überregional bekannt sind. Im heutigen Thema des Tages soll ein lokales Windsystem in Montana, USA, beschrieben werden, das im Dezember 2016 in Erscheinung getreten ist - der "Klondike chinook".

Während der Wintermonate ereignen sich über dem Nordwesten der USA wiederholt äußerst spektakuläre Luftmassenwechsel, die zu teils sehr turbulenten Wetterwechseln führen können. Der Grund für diesen Kampf der Luftmassen ist in der Frontalzone zu finden. Diese trennt polare und somit sehr kalte Luftmassen im Norden von warmen und feuchten Luftmassen im Süden. Da sich entlang dieser Frontalzone im Winter wiederholt kräftige Tiefdruckgebiete entwickeln können, wird somit der Austausch beider Luftmassen im Übergangsbereich gefördert, sodass mal kältere Luftmassen südwärts, mal wärmere Luftmassen nordwärts strömen. Das Besondere über dem Nordwesten der USA ist, dass die polare Luftmasse von Kanada kommend nicht von milden Ozeanen erwärmt wird. Temperaturen von unter -20 Grad sind während kräftiger Kaltluftausbrüche somit keine Seltenheit. Wenn dann von Westen - in diesem Fall vom Pazifik - milde und feuchte Luftmassen auf den eisigen Nordwesten der USA treffen, kommt es zu den unter Wintersportlern so geschätzten Schneefällen in Form feinsten Pulverschnees. Dabei kann die mildere Luftmasse direkt von Westen kommen oder einen Umweg über Alaska und den Westen Kanadas nehmen, um dann den Nordwesten der USA zu erreichen. Der zuletzt genannte Fall sorgt für die Entwicklung des "Klondike chinook" in Montana und soll daher anhand eines markanten Ereignisses im Dezember 2016 näher betrachtet werden. Zum besseren Verständnis muss der Wetterablauf vor dem eigentlichen Ereignis kurz erklärt werden.

Während des 16. und 17. Dezembers strömte eine sehr kalte Luftmasse aus dem Westen Kanadas in den Nordwesten der USA, wobei Tiefstwerte von teils unter -30 Grad auftraten. Da kalte Luft schwerer ist als warme und somit absinkt, bildete sich über dem Nordwesten der USA ein kräftiges Hochdruckgebiet aus. In der Folge näherte sich jedoch ein Tiefdruckgebiet, welches vom Pazifik kommend über den Westen Kanadas weiter nach Südosten in Richtung Montana gelenkt wurde. Zwischen dem 17. und 19. Dezember 2016 sorgte dieses Tiefdruckgebiet für mehrere Schübe mit zunehmend milder Luft, die die zentralen und östlichen Bereiche Montanas erfassten, während weiter westlich in Richtung Westmontana und Idaho die eisig kalte Luftmasse unberührt liegen blieb. In b) ist die Lage der Warmfront sowie im Zahlenformat mit Windfiedern die Windgeschwindigkeit in 850 hPa (rund 1.3 km über Grund) vom 18. auf den 19. dargestellt (75 bis 90 km/h). Der Westen Montanas wird durch die hoch gelegenen Rocky Mountains beeinflusst (in Grafik b) durch die weiße gestrichelte Linie gekennzeichnet), während das Gelände weiter ostwärts zunehmend abfällt.

Als Resultat dieser Wetterentwicklung lag östlich der Rocky Mountains eine eher milde, im Westen hingegen eine sehr kalte Luftmasse. Da kalte Luft schwerer ist, liegt der Luftdruck im Westen auch deutlich höher, was im Bild b) durch die pinke Färbung gezeigt wird. Derweilen sorgt die mildere Luft im Osten für tieferen Luftdruck, was sich in den hellblauen Farben widerspiegelt. Da die Natur bestrebt ist Gegensätze auszugleichen, beginnt sich die Luftmasse vom höheren Luftdruck zum niedrigeren zu bewegen. Die Luftmasse strömt also vom Gebirge (teils mehr als 2000 Meter über NN) ostwärts ins deutlich tiefer gelegene Flachland und erwärmt sich dabei trockenadiabatisch. Das bedeutet, dass sich die Luftmasse um 1 Kelvin pro 100 Meter erwärmt. Wie wir bereits erfahren haben, startet die Luftmasse mit extrem niedrigen Werten von unter -20 Grad, sodass sie auch weiterhin frostig-kalt im Tiefland ankommt. Dies unterscheidet den "Klondike chinook" vom allgemein bekannten "chinook", dem "Schneefresser", da in den meisten Fällen die Luftmasse beim Überqueren der Rocky Mountains bereits deutlich milder ist und somit beim Absteigen im Lee viel stärker erwärmt werden kann. Entsprechend zum Föhn in den Alpen weht der "chinook" daher meist als warmer Wind.

Wie eisig jedoch der "Klondike chinook" sein kann, zeigt das Beispiel von Billings, Montana in a) (rechts die Achse für die Temperatur und links für die Windgeschwindigkeit). Im grün hervorgehobenen Bereich wehte der "Klondike chinook", was sich z.B. durch eine deutliche Erwärmung von unter -30 Grad auf über -20 Grad zeigt (blaue Linie). In Rot wurde die gefühlte Temperatur eingetragen, wobei infolge des zunehmenden Windes mit 25-45 km/h Werte von -50 bis -35 Grad gemeldet wurden, was lebensgefährliche Bedingungen darstellt. Im Webcambild c) sind auch die Bedingungen während eines "Klondike chinook" sehr schön zu erkennen - starke Schneeverfrachtungen mit herabgesetzter Sichtweite.

Den Namen erhielt dieser Wind übrigens von einem örtlichen Meteorologen namens Grayson Cordell.

Meist sorgt der "Klondike chinook" dafür, dass sich die mildere Luft sukzessive durchsetzen kann, wobei sich dieser Kampf der Luftmassen teils über Tage hinziehen und auf engstem Raum extreme Temperaturgegensätze erzeugen und aufrechterhalten kann. So spannend dieser eisige Wind für die Meteorologen ist, so unerfreulich, ja teils auch gefährlich, ist er für die Bevölkerung.

 

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